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L&M-3-2009 > Erkennung und Unterscheidung von Düften

Erkennung und Unterscheidung von Düften

Da die meisten Düfte, mit denen wir im normalen Leben konfrontiert werden, keine chemisch reinen Einzelsubstanzen sind, sondern Mischungen (Früchte, Blumen, Kaffee, Parfum) fragen wir uns, wie es dazu kommt, dass wir eine Rose von einer Orange oder einem Kaffeeduft unterscheiden können? Wie bereits erwähnt, besitzen wir rund 350 verschiedene Typen von Riechsinneszellen, von denen jede Einzelne nur einen Rezeptortyp herstellt und damit sehr spezifisch ist für eine kleine Gruppe chemisch nah verwandter Duftsubstanzen.

Vor vielen Jahren konnte bereits gezeigt werden, dass alle Zellen, die einen bestimmten Rezeptor tragen (also z.B. alle OR17-4, Maiglöckchenzellen oder OR51-E2, Veilchenzellen) ihre Nervenfortsätze im Riechhirn zu einem ganz bestimmten kugelförmigen Gebilde (Glomerulus) in unserem Riechhirn (Bulbus olfactorius) senden. Entsprechend besitzen wir dort auch 350 solcher kugelförmiger Gebilde ( Glomeruli). Der Duft von Rose, Orange oder Kaffee besteht aus einer unterschiedlichen Mischung von Duftmolekülen. Entsprechend werden unterschiedliche Gruppen von Riechsinneszellen und dazugehörigen Glomeruli aktiviert. Diese Kombination beinhaltet die Information, welche Duftmischung wir gerochen haben. Da manche Duftmoleküle in verschiedenen Früchten oder Blumen vorkommen, können sich die kombinatorischen Spektren auch überlappen. In der Psychologie könnte man es am besten mit dem Begriff „Gestalterkennung“ beschreiben. Jeder natürliche Duft hat seine charakteristische Gestalt im Sinne eines für ihn typischen Aktivierungsmusters bestimmter Glomeruli. Dieses Muster müssen wir erlernen, um den Duft wiederzuerkennen, vergleichbar mit den Wörtern beim Alphabet. Allerdings besitzt das „Duftalphabet“ 350 Buchstaben und damit entsprechend die Möglichkeit, viel komplexere Kombinationen zu erzeugen. Deshalb ist es viel schwieriger, Düfte zu erkennen und zu unterscheiden, nur viel Übung und Training hilft hier weiter. Jeder Mensch ist biologisch mit dem gleiche Repertoire von 350 Rezeptoren ausgestattet, auch z.B. ein Parfumeur, aber sein tägliches mehrstündiges Üben verleiht ihm einen sehr viel besseren Geruchssinn als anderen Menschen. Wie immer, wenn man etwas gelernt hat, erlaubt das menschliche Gehirn auch eine entscheidende Information wegzulassen und trotzdem wird das Wort, der Gegenstand oder der Duft erkannt. Dies kann die Industrie zur Herstellung von künstlichen Aromen nutzen, die nur einen kleinen Teil der Duftmoleküle aus der Originalsubstanz enthalten. Damit lassen sich Naturdüfte (Trüffel, Leder, Brot usw.) billig imitieren. Düfte können heute auf verschiedenen Ebenen eingesetzt werden, um das Kaufverhalten zu verändern (Duftmarketing), Stimmungen und Empfindlichkeiten zu verbessern (Raumbeduftung), gesundheitsfördernde Effekte zu erzielen (Aromatherapie) bis hin zur klinischen Diagnostik.

Stichwörter:
Duftforschung

L&M 3 / 2009

Diese Artikel wurden veröffentlicht in Ausgabe L&M 3 / 2009.
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