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Präzisionsdiagnose von Hirntumoren

Antikörper erkennt Enzymdefekt

Mediziner unterscheiden über 100 verschiedene Arten von Hirntumoren. Die exakte Diagnose ist oft schwierig, da in der Regel nur winzige Mengen Tumormaterial zu Verfügung stehen. Beim Erwachsenen sind Hirntumoren eine vergleichsweise seltene, aber besonders gefürchtete Erkrankung, die das Leben der Betroffenen oft sehr verändert. Man unterscheidet verschiedene Arten von Hirntumoren anhand ihres Ursprungsgewebes. Unter dem Überbegriff Gliome werden bösartige Neubildungen zusammengefasst, die von der Neuroglia, dem Stützund Nährgewebe des Gehirns, ausgehen. Zu den Gliomen, die etwa 20 Prozent aller Hirntumoren ausmachen, zählen unter anderem die die Astrozytome und die Oligodendrogliome.

Bei der Abklärung des Verdachts auf einen Hirntumor startet die Diagnostik in der Regel mit einem bildgebenden Verfahren, etwa mit einer MRT-Aufnahme. Das Ergebnis muss anschließend von einem Neuropathologen an einer Gewebeprobe des Tumors bestätigt werden. Um gezielte Behandlungen einzuleiten, ist nun die präzise Diagnose der Tumorart wichtig. Hier stoßen die Neuropathologen manchmal an ihre Grenzen: Andreas von Deimling, Leiter der Klinischen Kooperationseinheit Neuropathologie im Deutschen Krebsforschungszentrum und im Institut für Pathologie der Universität Heidelberg, erklärt, die Arbeit der Pathologen außerdem dadurch erschwert wird, dass nur winzige Proben zur Verfügung stehen und das Gewebe bei der Entnahme oft deformiert ist. Von Deimling und seine Mitarbeiter suchten daher nach einem Instrument, um die Erst- und Differentialdiagnosen von Hirntumoren zu vereinfachen und abzusichern. Gemeinsam mit dem Antikörper-Spezialisten Prof. Hanswalter Zentgraf und seinen Mitarbeitern aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum gelang es den Neurowissenschaftlern, einen monoklonalen Antikörper zu entwickeln, der sich nur dann an das Enzym IDH1 anheften kann, wenn die Mutation an Position 132 vorliegt. An das unveränderte Enzym bindet der Antikörper nicht. Der Antikörper erfüllt eine weitere zentrale Anforderung für einen Einsatz in der klinischen Routine: Er reagiert auch an Gewebeschnitten, die in Paraffin eingebettet sind. Damit sind Mediziner nun in der Lage, bei positiver Antikörperreaktion auch an schwierigem Probenmaterial mit Sicherheit ein Astrozytom oder Oligodendrogliom zu diagnostizieren. Darüber hinaus können sie in der Gewebezone rund um die Tumoren einzelne Krebszellen feststellen. Andreas von Deimling geht davon aus, dass der Antikörper, der zum Patent angemeldet ist, weltweit in die Hirntumor-Diagnostik Einzug halten wird. Außerdem haben Forscher gemeinsam mit Wolfgang Wick, dem Leiter der Klinischen Kooperationseinheit Neuroonkologie des Deutschen Krebsforschungszentrums, kürzlich festgestellt, dass Mutationen des Enzyms IDH1 bei Astrozytomen und Oligodendrogliomen mit einem günstigen Verlauf der Erkrankung einhergehen.

Prof. Dr. A. von Deimling

>> www.dkfz.de

David Capper, Hanswalter Zentgraf, Jörg Balss, Christian Hartmann, Andreas von Deimling: Monoclonal antibody specific for IDH1 R132H mutation Acta Neuropathologica 2009,
DOI 10.1007/s00401-

Stichwörter:
Hirntumor, Diagnose, Enzymdefekt, DKFZ

L&M 5 / 2009

Diese Artikel wurden veröffentlicht in Ausgabe L&M 5 / 2009.
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