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Dermokosmetik - Schön, straff und glatt

Mehr Transparenz bei Anti-Aging-Kosmetika

Dr. Tatjana Pavicic, Klinik für Dermatologie und Allergologie, Ludwig-Maximilians-Universität München Christine Contini, Pierre Fabre Dermo-Kosmetik GmbH, Freiburg

Ein möglichst lange währendes jugendliches Erscheinungsbild gewinnt immer mehr an Bedeutung. Einen besonderen Stellenwert hat hier die Haut – das Bemühen, die Haut straff und glatt zu erhalten lässt sich bis in die Antike verfolgen. Eine gezielte kosmetische Prävention verbessert nicht nur das persönliche Lebensgefühl, sondern geht auch mit einer Vorbeugung krankhafter Hautveränderungen einher. Mittlerweile steht eine unüberschaubar breite Palette an kosmetischen Mitteln gegen Hautalterung zur Verfügung. Diese erschwert es in zunehmendem Maße, seriöse von weniger seriösen Angeboten zu unterscheiden. Im Sinne einer evidenzbasierten Dermokosmetik hat es sich die Fachgruppe Dermokosmetik der GD Gesellschaft für Dermopharmazie deshalb zur Aufgabe gemacht, Mindestanforderungen zur Qualität von Anti-Aging-Kosmetika zu formulieren und die in diesen Kosmetika eingesetzten Wirkstoffe einer kritischen wissenschaftlichen Bewertung zu unterziehen. Umgesetzt wurde das Vorhaben der Fachgruppe in einer neuen Leitlinie der GD, die unter dem Titel „Dermokosmetika gegen Hautalterung“ anlässlich der 14. GD-Jahrestagung im März 2010 in Berlin vorgestellt wurde. Einteilung der Wirkstoffe nach wissenschaftlichen Kriterien

Um bei den in Anti-Aging-Kosmetika eingesetzten Wirkstoffen mehr Transparenz zu schaffen, wurde mit Hilfe einer Datenbankrecherche (PubMed) die einschlägige Fachliteratur gesichtet und die Wirkstoffe anhand der gefundenen Veröffentlichungen in drei verschiedene Kategorien eingeteilt (Abb. 1).

Diese erstmalig vorgenommene Kategorisierung ist als Meilenstein in der Qualitätssicherung von Kosmetika gegen Hautalterung zu werten. Die erste Kategorie umfasst Wirkstoffe, deren Wirksamkeit in vivo an menschlicher Haut nachgewiesen wurde. Innerhalb dieser Kategorie wurde eine weitere Unterteilung vorgenommen, je nachdem, ob der Wirksamkeitsnachweis in placebokontrollierten Doppelblindstudien oder in sonstigen mit objektivierbaren Methoden durchgeführten Studien erbracht wurde. Placebokontrollierte Wirksamkeitsnachweise liegen für Vitamin A, verschiedene Vitamin A-Derivate, Vitamin C, Alpha-Liponsäure und ein bestimmtes Polypeptid vor. Ebenfalls erfolgreich in vivo, aber nicht in placebokontrollierten Doppelblindstudien geprüft wurden Vitamin E und Derivate, Niacinamid (Vitamin B3), 2-Dimethylaminoethanol (DMAE), verschiedene Phytohormone und ein bestimmtes Hyaluronsäurefragment. Der zweiten Kategorie wurden diejenigen Wirkstoffe zugewiesen, für die lediglich in Zellkulturen Stoffwechseleffekte aufgezeigt wurden. Dazu gehören Coenzym Q10 (Ubiquinon) und die breitgefächerte Klasse der pflanzlichen Polyphenole. Die dritte Kategorie schließlich umfasst ausgelobte Wirkstoffe, für die in der wissenschaftlichen Literatur keine Wirksamkeitsnachweise vorliegen. Dabei handelt es sich vielfach um patentgeschützte firmenspezifische Stoffe oder Stoffgemische, meist basierend auf Vorbildern aus der Natur.

Auch das Trägersystem beeinflusst die Wirksamkeit

Wie die Leitlinie betont, ist für die abschließende Bewertung der gelisteten Wirkstoffe stets auch der Einfluss des verwendeten Trägersystems mit zu berücksichtigen. Die Auslobung einer „verjüngenden“, „Anti-Falten“- oder straffenden Wirkung erfordert deshalb für jedes einzelne Produkt einen individuellen Wirksamkeitsnachweis, der nicht aus Untersuchungen mit vergleichbaren Formulierungen abgeleitet werden kann. Um aussagefähige Befunde zu erhalten, sollten für die Prüfung der Wirksamkeit möglichst objektive biophysikalische Methoden eingesetzt werden. Mit solchen Methoden können zum Beispiel Parameter wie Hautrauhigkeit, Hautelastizität, Feuchtigkeitsgehalt der Haut und Hautdicke standardisiert erfasst werden. Auch eine standardisierte Vorher-Nachher-Fotografie sei zur Beurteilung des Gesamterscheinungsbilds empfehlenswert. Kosmetische Mittel gegen Hautalterung sollten nicht nur wirksam, sondern auch sicher sein. Um Hautreizungen auszuschließen, gilt es, die Hautverträglichkeit mittels geeigneter Tests an möglichst hohen Probandenzahlen zu prüfen. Eine sorgfältige Rohstoffauswahl – insbesondere der Verzicht auf bekannte Kontaktallergene – trägt ebenfalls zur Produktsicherheit bei. Auch sollte – zumindest in Gesichtspflegepräparaten – auf Inhaltsstoffe verzichtet werden, die als komedogen bekannt sind.

Empfehlungen für Fachkreise und Verbraucher

Mit ihren Empfehlungen wendet sich die Leitlinie in erster Linie an Fachkreise, die mit der Entwicklung, Herstellung, Prüfung und Vermarktung von Anti-Aging-Kosmetika befasst sind oder zu ihrer Anwendung beraten, wie etwa Ärzte und Apotheker. Interessierten Verbrauchern soll die Leitlinie als Orientierungshilfe bei der Auswahl wissenschaftlich abgesicherter Produkte dienen. Ein eigenes Kapitel gibt Interessierten zudem einen Einblick in die Vorgänge und Ausprägungen der Hautalterung. Der Marktentwicklung und dem wissenschaftlichen Erkenntnisstand entsprechend, will die Fachgruppe die Leitlinie regelmäßig aktualisieren. Die nächste Aktualisierung ist spätestens für März 2013 vorgesehen.

L&M 4 / 2010

Diese Artikel wurden veröffentlicht in Ausgabe L&M 4 / 2010.
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