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Killerpilze - Reetdachsterben

Killerpilze - Reetdachsterben

Die Reetdachproblematik und praktische Ansätze

Mit Parolen wie „Killerpilze auf dem Reetdach“ wurde die Problematik der vorzeitigen Verrottung von Reetdächern vor 2–3 Jahren durch die Medien getrieben. Da es sich eher um ein regionales Problem handelte, war man in der labor&more-Redaktion sehr erstaunt, als ich das Thema damals auf den Tisch brachte. Alle erkannten aber wie unglaublich spannend und weitreichend diese Thematik sein könnte. Den Spekulationen um die wahren Gründe wurden Tür und Tor geöffnet. Was ist denn da wirklich los?

Ist es das fremde China- Reet, welches irgendwelche Keime eingeschleppt hat oder ist es die Klimaveränderung, die für sehr viel herhalten muss oder ist es doch der Killerpilz, entsprungen aus irgendwelchen gentechnisch veränderten Mikroorganismen, die man für die Bioethanol-Produktion oder für den Cellulose-Abbau gezüchtet hat. Oder hat das Ganze nur eine simple bautechnische Erklärung – zuwenig Hinterlüftung; das Badezimmer direkt unterm Reet?

Viele Fragen und wenige Antworten bisher. Für den interessierten Häuslebesitzer nicht unbedingt erkennbar was Science ist und was Fiction. Dank einer Untersuchung der Uni Greifswald ist man wohl den Hauptschädlingen auf die Schliche gekommen (siehe Meldung rechts). Warum diese aber erst jetzt und nicht schon vor 30 Jahren den einen oder anderen Reetdach-Besitzer um den letzten Euro gebracht haben, ist noch nicht geklärt. Wie immer wird es sich um eine Verknüpfung mehrere komplexer Vorgänge handeln. Leider gab es anfänglich anstelle von wissenschaftlichen Untersuchungen eine Menge Scharlatane, die das schnelle Geld mit dem Problem der Hausbesitzer machen wollten und die eine Menge ungeprüfter und in vielen Fällen unwirksame Mittelchen empfohlen haben und auch noch empfehlen. So mancher Hausherr beschritt in seiner Not den Weg eines heroischen Selbstversuches, indem er alles, was sein Acker so an Bioziden und Fungiziden bekommt, mal kurzerhand auf sein Dach sprühte…

Lösungsansatz

Von dem Problem angetan, beschäftigt sich die AppliChem seit etwas mehr als einem Jahr mit dem Thema, um mögliche Ursachen und eventuell auch einen möglichen Lösungsansatz zur Verhinderung des Reetdachsterbens zu finden. Man hatte eine bis heute noch recht unbe kannte Waffe zur Hand. Dabei handelt es sich um die bioDECONT®-Technologie der multiBIND biotec GmbH. Diese Technologie liegt dem Produkt DNA-Exi†usPlus zugrunde. Ein Mittel, welches weder toxisch, noch korrosiv ist und zudem umweltschonend DNA zerstören kann. Von unzähligen Versuchen war mittlerweile auch bekannt, dass eine Großzahl von Bakterien, Viren und Pilzen einer Behandlung mit bioDECONT®-Lösung nicht standhalten und darüber hinaus ihre DNA beziehungsweise RNA abgebaut wird. Eine Entstehung von resistenten Mutationen ist damit praktisch ausgeschlossen. Ausgehend davon, dass Mikroorganismen für den Verdau des Reets verantwortlich sind, war es naheliegend einen Versuch zu starten, diese mit DNA-Exi†usPlus zu attackieren. Dazu wurden im Herbst 2007 mehrere belastete, stark angegriffene Reetproben, wie auch frisches Reet verschiedener Herkunft ersten Versuchen in den Laboratorien der multiBIND unterzogen. Die Ergebnisse waren sehr vielversprechend. Daraus entstand eine erste Mischung, die wir im Folgenden als bioDECONT®-Reet bezeichnen. Hoch kontaminierte Reetproben von befallenen Reetdächern wurden unbehandelt und nach Vorbehandlung mit bioDECONT®-Reet auf sterilem Fließpapier platziert. Zusätzlich wurde das Fließpapier mit einem wässrigen Extrakt aus kontaminiertem Reet getränkt. Hauptkontamination des Reets ist ein filamentöses Pilzgemisch mit weißlichem Mycel. Nach 4 Wochen ist das unbehandelte Reet komplett von Pilzmycel bedeckt. Das mit bioDECONT®-Reet imprägnierte Reet zeigt keinerlei Wachstum von Pilzen oder anderen Mikroorganismen (Abb. 1). Abb. 2 zeigt im oberen Drittel unbehandeltes Reet, in der Mitte Reet, welches 5, 10, 30 und 60 min mit bioDECONT®-Reet behandelt und für 30 Stunden auf einer Agar-Platte inkubiert wurde. Darüber hinaus wurde die Cellulase- Aktivität als Leitparameter für die Zersetzung im Reet durch Professor Dr. Gerhard A. Wolf (Universität Göttingen) bestimmt und wir konnten feststellen, dass die gemessenen Cellulase-Aktivitäten mit dem Zustand des Reets korrelieren. Auch bei optisch einwandfreiem Reet waren unterschiedliche Cellulase-Aktivitäten zu sehen – dies spricht für eine Vorbelastung des Reets je nach Quelle. In einem weiteren Test konnte gezeigt werden, dass mit der Behandlung von unserem bioDECONT®-Reet nicht nur die Mikroorganismen abgetötet werden, sondern auch die Cellulase zum Teil zerstört wird (s. Abb. 3).

Dies ist insoweit interessant, da bei einer „nur-bioziden-Behandlung“ die Cellulase-Aktivität weiter vorhanden sein kann und das Reet obwohl mikrobiologisch gereinigt, weiter abgebaut wird. Zurzeit läuft ein Feldversuch bei dem ein Dach (s. Abb. 4) im Oktober 2008 behandelt wurde. Dabei wurde das Dach in verschieden Segmente unterteilt und diese unterschiedlich behandelt – die ersten Auswertungen des Versuches stehen im 2. Quartal 2009 an, um dann hoffentlich auch anwendungstechnisch die richtigen Empfehlungen geben zu können. Die AppliChem betreibt mittlerweile eine Pilotanlage zur Reetdekontamination. Mit dem Reet, das in der Anlage behandelt wird, kann man beim Flicken eines gesunden Reetdaches sicher sein, dass damit keine unerwünschten Mikroorganismen eingeschleppt werden. Eine Infektion eines gesunden Daches durch eine Reparatur ist somit praktisch ausgeschlossen. Falls bei unserem Feldversuch sich das erwartete Ergebnis bestätigt, ist das nächste Ziel die Zulassung für bioDECONT®- Reet zu beantragen. Die Unbedenklichkeit der Grund-Mischung wurde in einem dermatologischen Test mittlerweile gezeigt.

Fotos: © Dr. Wolfgang Sipos

L&M 1 / 2009

Diese Artikel wurden veröffentlicht in Ausgabe L&M 1 / 2009.
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